Ein Interview mit der Geschäftsführerin Carmen Hinger 2025
Das Gründen eines Startups ist kein romantischer Moment. Es ist ein Dauerzustand.
Es gibt diesen Mythos vom Gründen. Er handelt von Mut, von Visionen, von Menschen, die irgendwann beschließen, alles auf eine Karte zu setzen und dann mit leuchtenden Augen sagen: „Wir haben’s einfach gemacht.“ Er klingt nach Freiheit und Selbstverwirklichung, nach Aufbruch und Gestaltung. Aber wenn man sich die Geschichte von duonity anhört, dann merkt man ziemlich schnell: So läuft das echte Leben nicht. Hier war es kein Knall, kein Startschuss, kein glamouröser Schritt in die Selbstständigkeit. Es war eher ein schleichender Prozess, eine Aneinanderreihung von Erfahrungen, Frustrationen und irgendwann die Erkenntnis: Wenn wir es richtig machen wollen, dann müssen wir es selbst machen.
Was in diesem Interview so besonders ist, ist nicht nur die Geschichte, sondern die Art, wie sie erzählt wird. Da sitzt eine Gründerin, die nichts beschönigt. Sie tut es mit einer Ehrlichkeit, die fast irritiert, weil man sie so selten hört. Keine Gründungsromantik, kein „Follow your dreams“, kein Instagram-Filter. Stattdessen zeigt sie, wie Unternehmertum in Deutschland tatsächlich aussieht: nüchtern, manchmal widersprüchlich und frei von jeder Romantisierung. Hier zählen Ergebnisse, nicht gute Absichten. Pläne geraten ins Wanken und Wachstum verläuft selten linear. Was bleibt, ist Verantwortung – für Entscheidungen, für Menschen, für Konsequenzen.
Im Gespräch fällt ein Satz, der die Realität des Unternehmertums greifbar macht: „Wenn eine Bürgschaft ausgestellt wird, steht da meine Personalausweisnummer.“ Darin steckt alles. Kein Risikokapital, das Verluste abfedert. Kein anonymes Netzwerk, das einspringt. Sondern persönliches Einstehen für das, was man aufbaut. Wenn etwas schiefgeht, kommt die Bank nicht zu irgendeinem Investor, nicht zu irgendeinem anonymen Kapitalgeber, sondern zu Dir. Und plötzlich wird klar, warum Wachstum nicht nur nach Aufbruch klingt, sondern manchmal auch nach Druck.
Denn Wachstum heißt investieren. Es bedeutet vorfinanzieren und zu hoffen, dass der nächste Monat so wird wie der letzte – obwohl man es nicht garantieren kann. „Mal hast du zehn Verkäufe und denkst: Wow! Und dann sind es wieder nur zwei.“ In solchen Momenten merkt man, wie weit die Realität vieler mittelständisch geprägter Gründerinnen und Gründer entfernt ist von den meisten Hochglanzgeschichten aus der Startup-Welt, in der irgendwo immer noch ein Investor sitzt, der zur Not die nächste Runde möglich macht.
Hinzu kommt eine deutsche Besonderheit, die wenig mit Vision zu tun hat: Bürokratie. Während man im Alltag innovative Energiesysteme vorantreibt, Kunden berät, Teams aufbaut und die Energiewende praktisch macht, beschäftigt man sich plötzlich mit Fragen wie: Darf ich diesen Subunternehmer überhaupt beschäftigen oder ist das schon scheinselbstständig? Sie sagt es fast nebenbei, aber eigentlich ist es ein Wahnsinn: „Ich sammle quasi die Einkommensteuer vom Subler ein, im Vorfeld fürs Finanzamt.“ Das ist nicht die Arbeit, für die jemand gegründet hat und doch steht sie für eine Belastung, die viele unterschätzen. Gründen heißt hier nicht nur gestalten, sondern verwalten.
Spannend wird das Gespräch, als es um Fragen geht, die heute selbst traditionsreiche Unternehmen beschäftigen: Kultur, Führung und der Wandel der Generationen. Die Gründerin weiß, wie wichtig all das ist. Sie ist Diplom-Psychologin. Sie könnte an dieser Stelle über Leitbilder sprechen und über moderne Führungsansätze. Und trotzdem sagt sie einen Satz, der so ehrlich ist, dass man (insbesondere als Arbeitnehmer:in) erstmal schlucken muss: „In einer Wachstumsphase ist dir manchmal kurz egal, ob sich jemand wohlfühlt. Obwohl es dir eigentlich nicht egal ist.“
Das ist der Punkt, an dem man merkt, wie komplex die Realität ist. Das ist keine Geringschätzung von Mitarbeitenden oder ein Rückfall in alte Führungsschule. Es ist der Moment, in dem Wirtschaftlichkeit und Führungsanspruch miteinander in Einklang gebracht werden müssen. Die Bank fragt nicht nach Teamgefühl. Die Bank fragt nicht nach Teamgefühl, sondern nach BWAs. Und wer für Gehälter, Projekte und Kunden geradesteht, muss Entscheidungen treffen, die vor allem eines sind: langfristig tragfähig. Und dennoch ist da keine Bitterkeit. Eher eine Art nüchterner Realismus.
Gleichzeitig spürt man, dass genau darin auch etwas sehr Modernes liegt: dieses Bewusstsein für die Spannung zwischen Ideal und Machbarkeit. Zwischen Vision und Realität. Sie sagt nicht: „So ist es halt, stellt euch nicht so an.“ Sie sagt im Gegenteil: Ich würde mich viel lieber auf Kultur und gutes Miteinander stürzen, aber das schaffe ich nicht immer. Und genau das ist vielleicht der ehrlichste Satz über Führung in jungen Unternehmen überhaupt.
Auch der Generationenaspekt taucht auf – langjährige Erfahrung trifft auf neue Impulse. Leon, der Sohn und ebenfalls Geschäftsführer von duonity, sagt: Das ist old-school, so geht das heute nicht mehr. In diesem Satz steckt kein Konflikt, sondern Dialog. duonity ist nicht nur ein Energieunternehmen, sondern auch ein Ort, an dem sich Arbeitskultur neu verhandelt – zwischen Tradition und Zukunft, zwischen Handwerk und Digitalisierung, zwischen Durchziehen und Neu-Denken.
Am Ende bleibt vor allem ein Gefühl: Respekt. Nicht, weil hier jemand eine perfekte Story erzählt, sondern weil hier jemand den Mut hat, unperfekt ehrlich zu sein. Zu sagen: Unternehmertum ist nicht easy. Es ist kein Selbstläufer. Es ist nicht nur Sinn und Vision. Es ist auch Bürokratie, Verantwortung, Unsicherheit und schwere Entscheidungen. Trotzdem ist es Gestaltung, aber mit Konsequenzen.
Am Ende des Gesprächs bleibt kein heroischer Schlusssatz. Sondern eine einfache Erkenntnis: Unternehmertum ist kein Moment. Es ist ein Dauerzustand. „Bleib einfach dran“, sagt sie. „Es gibt keinen leichten Weg.“
Vielleicht ist genau das der Kern dieser Geschichte. Nicht das Bild der perfekten Gründerin, nicht die Erfolgskurve, die nur nach oben zeigt. Sondern der Mut, die Realität auszusprechen. Und trotzdem weiterzugehen.
duonity steht damit für etwas, das man nicht in einer Kampagne erfinden kann: Glaubwürdigkeit. Nicht, weil alles glattläuft. Sondern weil offen über das gesprochen wird, was wirklich dazugehört. In einer Branche, die die Energiewende vorantreibt, entsteht hier ein Unternehmen, das nicht nur Technologien baut, sondern auch Haltung zeigt.
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